Forschung - Lehre - Therapie

Krankheitsbilder

Welche Krankheitsbilder behandelt die TCM?

Bei fast allen Erkrankungen ist die Regulation des vegetativen (den Körper steuernden) Nervensystems beeinträchtigt. Gerade in der Beeinflussung der vegetativen Funktionen des Körpers liegt eine Stärke der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), so dass fast bei allen Erkrankungen heilende oder lindernde Effekte durch TCM erreicht werden können.

  • Akute und chronische Schmerzen (u.a. Migräne, Kopfschmerzen, Schulter-, Rücken-, Hüft- und Knieschmerzen)

    Ob Kopfweh, Schulter oder Rücken: Schmerzen beeinträchtigen den Alltag erheblich, erst recht, wenn sie chronischer Natur sind. Aus Sicht der Chinesischen Medizin erfüllen sie dennoch eine Funktion und weisen darauf hin, dass die Regulation des Körpers gestört ist. Die Chinesische Medizin behandelt daher nicht in erster Linie die Symptome, sondern sucht nach den Ursachen der Blockade. Oft greifen viele Faktoren – wie Überbelastung, Körperhaltung, Ernährungsverhalten, psychische Verfassung und individuelle Konstitution – ineinander. Die Schmerzensursache ist zudem nicht immer unmittelbar am Ort des Geschehens zu suchen: Probleme mit der Schulter zum Beispiel können auch auf ein Ungleichgewicht im Bereich des Darms oder psychische Probleme zurückgehen.

    Therapie: Je nach Ursache und Verfassung des Patienten werden zur Behandlung verschiedene Therapiemethoden individuell eingesetzt. Generell sind Akupunktur und Moxibustion wirksam gegen Schmerzen. Bei Verspannungen der gesamten Wirbelsäule kann eine Tuina-Massage helfen. Gerade bei chronischen Erkrankungen werden auch individuell zusammen gestellte Tees oder Salben aus chinesischen Arzneipflanzen verordnet.

  • Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (u.a. chronischer Durchfall, Reizdarm, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)

    Chronische Magenschmerzen und ein permanent gereizter Darm können zwar organischen Ursprungs sein, in zwei von drei Fällen lassen sich mit den Untersuchungsverfahren der westlichen Medizin jedoch keine klaren krankhaften Befunde feststellen: Diese funktionell bedingten Funktionsstörungen im Verdauungstrakt entstehen u.a. durch konstitutionelle Faktoren, Fehlernährung, äußere Einwirkungen oder auch ein andauerndes emotionales Ungleichgewicht. Der Magen-Darm-Trakt ist mit etwa 100 Millionen Nervenzellen ausgestattet, der Verdauungsprozess ist damit über das Nervensystem eng mit dem Gehirn verbunden. Symptome wie Appetitlosigkeit, Aufstoßen, Sodbrennen, Magenschleimhautentzündung, und auch die steigende Zahl von Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind mit den Methoden der chinesischen Medizin gut zu behandeln. Bei organischen oder chronisch-entzündlichen Erkrankungen wie Morbus Crohn und Colitis ulcerosa, Magengeschwüren und Magen-Darm-Krebs kann die Chinesische Medizin die westliche Therapie unterstützend begleiten.

    Therapie: Besserung bewirkt die chinesische Diätetik: mindestens eine warme Mahlzeit am Tag, hochwertige, frische Kost statt Dosen- oder Fastfood und die Vermeidung von scharf Gebratenem, von kalten Speisen und Getränken sowie von einem Übermaß an Rohkost und Milchprodukten können helfen. Je nach Chinesischer Diagnostik kommen individuelle Empfehlungen hinzu. Bei stärkeren oder lang anhaltenden Magen-Darm-Beschwerden müssen dann auch chinesische Heilkräuter, Akupunktur und Moxibustion sowie QiGong-Übungen zum Einsatz kommen. Tuina-Massage kann diese Heilprozesse zusätzlich positiv beeinflussen.

  • Allergien (u.a. Heuschnupfen, trockene Augen)

    Allergische Erkrankungen sind eine wichtige Indikation der Chinesischen Medizin. Gerade über Heuschnupfen wurden zahlreiche klinische Studien durchgeführt. So belegte eine Studie der Berliner Charité 2013 die Wirksamkeit der Akupunktur in der Prophylaxe und Behandlung von Heuschnupfensymptomen mit juckender Nase, Niesanfällen und tränenden Augen eindrücklich. Chinesisch betrachtet liegt hier eine Schwäche des Abwehr-Qi zugrunde, die mit den Organen Lunge, Milz und Niere in Zusammenhang gebracht wird.  Auch Nahrungsmittelallergien oder allergische Reaktionen der Haut können Folge davon sein.

    Therapie: Befällt ein pathogener Faktor vorrangig die Oberfläche, wie beim Heuschnupfen, kann dieser oft erfolgreich allein mit Akupunktur behandelt werden. Bei tiefer eindringenden Faktoren benötigt man zusätzlich die chinesische Arzneimitteltherapie. Auch diätetische Maßnahmen spielen bei allergischen Erkrankungen eine große Rolle, da häufig eine schwache Mitte zugrunde liegt. So führt oft schon die Integration einfacher Ernährungsratschläge auf Basis der Traditionellen Chinesischen Medizin zu einer deutlichen Reduktion allergischer Beschwerden. Über eine Stärkung des Abwehr-Qi kann eine lang anhaltende Symptomfreiheit in vielen Fällen erreicht werden. Auch präventiv kann eine Immunstärkung mit TCM bewirkt werden, sodass Heuschnupfensymptome in der bevorstehenden Saison deutlich reduziert werden.

  • Gynäkologie (u.a. Kinderwunsch, Regel- und klimakterische Beschwerden)

    Die Frauenheilkunde hat in der chinesischen Medizin einen hohen Stellenwert. Das Behandlungsspektrum reicht vom prämenstrualen Syndrom über Regelschmerzen, zu starken oder zu geringen Monatsblutungen, Wechseljahresbeschwerden und Hitzewallungen bis zu Zysten von Brust und Eierstock. Unerfüllter Kinderwunsch stellt eine weitere wichtige Indikation dar, auch lässt sich die TCM gut mit einer Behandlung in Kinderwunschzentren kombinieren. In vielen Fällen von unerfülltem Kinderwunsch ist die Behandlung beider Partner sinnvoll.

    Schwangerschaftsbedingt verstärkte Übelkeit und Erbrechen, Rückenschmerzen oder Wassereinlagerungen sind ebenfalls gut therapierbare Indikationen mit Behandlungen der Chinesischen Medizin. Seit vielen Jahren sind wir Kooperationspartner der Station für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und bieten wöchentlich geburtsvorbereitende Akupunktur an. So zeigte sich in der sogenannten „Mannheimer Studie“ eine hochsignifikante Verkürzung des Geburtsverlaufs bei Frauen, die ab der 36. Schwangerschaftswoche regelmäßig akupunktiert wurden.

    Therapie:

    Während schmerzhafte Störungen, Beschwerden der Brust und Menstruationsbeschwerden sich gut mit Akupunktur behandeln lassen, sind Zyklusunregelmäßigkeiten, Kinderwunschbehandlungen, Wechseljahrbeschwerden und Endometriose eher die Domäne der chinesischen Arzneitherapie, die sich gut durch Akupunktur ergänzen lässt. Viele Frauen leben in der Annahme das Regelbeschwerden normal sind, unsere langjährige Erfahrung zeigt aber immer wieder, dass Unterleibsschmerzen und Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation sich durch erfolgreiche TCM Behandlungen bessern oder beseitigen lassen. Eine weitere mit Chinesischer Medizin gut zu behandelnde Indikation sind wiederkehrende Blasenentzündungen. Auch hier bietet die Kombination von Akupunktur, Wärmebehandlung mit Moxibustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten und Hautregionen durch angezündete Beifußrollen) und chinesische Arzneitherapie die sinnvollste Strategie.

  • Erschöpfung (Burnout, Leistungs- und Konzentrationsschwäche, Fatigue, chronische Müdigkeit)

    In der Chinesischen Medizin werden körperliche und psychische Beschwerden nicht getrennt voneinander betrachtet. Vielmehr bilden Körper und Geist eine untrennbare Einheit, wirken aufeinander und bedingen einander. Mit diesem Ansatz bietet die TCM viele Strategien zur Behandlung von Erschöpfungssyndromen. Gerade in unserer hochkomplexen modernen Welt präsentiert sich eine zunehmende Zahl von Menschen mit Konzentrationsstörungen, Erschöpfung und Leistungsschwäche die bei Nichtbehandlung häufig in chronische Müdigkeit bis hin zum Burnout-Syndrom münden. Als Ursache hierfür spielen sowohl äußere als auch innere Faktoren eine Rolle, die sich gegenseitig beeinflussen. Äußerer Stress durch übermäßige Belastungen im Privatleben oder Druck am Arbeitsplatz aktiviert Emotionen wie Angst, Sorgen und Trauer, die aus Sicht der TCM zum Stagnieren des Qi-Flusses führen und damit körperliche Störungen bewirken. Das Innere wirkt aber auch auf das Äußere: Akute und insbesondere chronische Erkrankungen der inneren Organe sowie Schmerz aktivieren negative Emotionen, führen zu psychischen Symptomen die in der Folge wiederum auf körperlicher Ebene symptomverdeutlichend wirken können. Die Ursachen für Erschöpfungssyndrome sind meist vielschichtig, das Auffüllen von Mangelzuständen und den Energie- und Blutfluss bewegende Behandlungen für Stagnationen sind häufig wichtige Bestandteile der Therapie.

    Therapie: Die Chinesische Medizin bietet mit ihrem breiten Spektrum an Behandlungsoptionen viele Ansatzpunkte für Menschen mit Erschöpfungssyndromen. Je nach individuellem Symptombild und Disharmonie-Muster ergibt sich eine individuelle Therapie mit Akupunktur und Chinesischen Arzneitees. Auch die Tuina-Behandlung (chinesische Massage und manuelle Therapie) kann sehr sinnvoll und heilungsfördernd sein. Weiterhin haben sich kann die Beachtung von Ernährungsempfehlungen, die in China sehr ausgefeilt überliefert wurden sowie die regelmäßige Ausübung von Entspannungsübungen aus dem Qi-Gong oder Tai-Chi sehr bewährt.

  • Lungenerkrankungen (u.a. Asthma, chronische Bronchitis)

    Die Behandlung von akuten und chronischen Lungenerkrankungen finden schon in dem chinesischen Medizin-Klassiker „Shan Han Lun“ (Erkrankungen durch Kälte) aus den Jahren 150-219 n.Chr. Erwähnung. Häufige Symptome die von den Patienten beklagt werden sind trockener Husten oder Husten mit schleimigem Auswurf, Atemnot, Atemgeräusche und Schmerzen im Brustkorb. Behandlungen der Chinesischen Medizin können die Lunge stützen, die immunologischen Abwehr stärken und damit Infektanfälligkeit reduzierten. Auch psychische Faktoren werden berücksichtig. Aus Sicht der Chinesischen Medizin können nicht bewältigte Trauer oder Depressionen die Lunge schwächen. Auch Erschöpfung, Überarbeitung oder Überforderung können die Lunge schwächen. Auch weiß man in der Chinesischen Medizin um verschleimende oder austrocknende Wirkung mancher Lebensmittel, so dass ungünstige Ernährungsgewohnheiten die Symptomatik verstärken können.

    Therapie: Bei chron. Atemwegserkrankungen hat sich die Behandlung mit Akupunktur sehr bewährt. Auch die Anwendung chinesischer Heilpflanzen spielt eine große Rolle in der Behandlung von Atemwegserkrankungen. Unterstützend kann die Behandlung mit Techniken der Tuina Massage und das Schröpfen wirken. Ernährungsempfehlungen auf Basis der Chinesischen Medizin wirken therapieunterstützend, u.a. sollte bei Atemwegserkrankungen Lebensmittel die die Schleimproduktion fördern vermieden und warmes Essen bevorzugt werden. Um die Lunge zu stärken können ausgewählte Atem- und Bewegungsübungen aus dem Qi-Gong sehr hilfreich sein.

  • Schlafstörungen und Psychische Störungen

    Ein ausgewogener Schlafrhythmus ist eine wichtige Grundvoraussetzung der Regeneration. Aus Sicht der chinesischen Medizin kann der Geist Shen bei Schlafstörungen nicht zur Ruhe kommen. Der Sitz des Geistes Shen ist das Herz, welches somit bei Schlafstörungen im Mittelpunkt der Behandlung steht. Häufige Symptome die bei einem Mangel an Herz Qi parallel auftreten sind innere Unruhe und Nervosität aber auch Konzentrationsschwäche und Erschöpfung. Unterscheiden muss man die Einschlafstörungen von den Durchschlafstörungen, da hier häufig verschiedene Muster zugrunde liegen und somit andere Behandlungsstrategien verfolgt werden müssen. Auch das regelmäßige Aufwachen zu bestimmten Uhrzeiten gibt wichtige Indizien des zugrunde liegenden Musters. So weist ein Erwachen zwischen 1 und 3 Uhr auf Disharmonien der Leber, denen möglicherweise eine übermäßige Anspannung der Muskulatur, Wut, Ungeduld und Zorn oder übermäßiger Alkoholkonsum zugrunde liegt. Langjährig bestehende Schlafstörungen verschlechtern oft den psychischen Zustand merklich, Müdigkeit, Stimmungslabilität, Leistungsschwäche und Kopfschmerzen können die Folge davon sein. Die TCM kann dabei helfen die Ursache ausfindig zu machen.

    Auch bei psychischen Störungen steht der Geist Shen in der chinesischen Medizin im Mittelpunkt der Behandlung. Bei völliger geistiger Gesundheit ist der Geist Shen im Herzen verankert. Das Herz dient als Gefäß für den Geist Shen. Da im klassischen Denken der chinesischen Medizin davon ausgegangen wird, das Körper und Geist untrennbar sind, werden Erkrankungen des Geistes nicht unabhängig vom Körper behandelt. Dies bedeutet auch, dass sowohl geistiges Aspekte eine körperliche Störung hervorrufen können aber auch körperliche Erkrankungen den Geist Shen beeinträchtigen können. Therapeutisch ist eine Balancierung des Qi wichtig, da unausgeglichene Emotionen des Qi Fluss blockieren. Häufig liegen auch verschiedene Schwäche Muster zugrunde, die aufgefüllt werden müssen. Weitere einführende Informationen finden Sie auch unter der Rubrik „Erschöpfungssyndrome (Burnout, Leistungsschwäche, chronische Müdigkeit)“.

    Therapie

    In der Therapie sowohl von Schlafstörungen als auch in vielen Fällen psychosomatischer Beschwerden gilt es dem klassischen chinesischen Denken nach, den Geist Shen wieder im Herzen zu verankern. Die zugrundeliegenden Ursachen dafür können in einem ausführlichen Anamnesegespräch mit Puls- und Zungendiagnostik ermittelt werden. Je nach Syndrom wird dann ein inviduell zusammengestelltes Behandlungsprotokoll entwickelt in dem v.a. Heiltees aus chinesischen Arzneipflanzen als auch Akupunktur zum Einsatz kommen. Auch eine Tuina Behandlung (chinesische Massage und manuelle Therapie) und Qigong oder Tai Chi Übungen können sinnvolle Elemente des Behandlungskonzeptes sein. Oft ist auch die Einbeziehung von Ernährungsberatung sehr sinnvoll.

  • Neurologische Erkrankungen (Taubheitsgefühle, Lähmungen, Sprach- und Sprechstörungen)

    Eine verminderte Empfindungsfähigkeit sowie das Auftreten von Kribbeln, Brennen und Ameisenlaufen in Händen oder Füßen bezeichnet man als Neuropathie. In der Folge können sich Gangunsicherheit, Taubheitsgefühle und Lähmungen entwickeln. Mögliche Ursachen sind Diabetes mellitus, Vitaminmangel und Nebenwirkungen von Chemotherapien.  Bei vielen Erkrankten findet sich keine Ursache. Aus Sicht der chinesischen Medizin besteht eine unzureichende Versorgung der Beine mit Qi und Blut Xue unter anderem verursacht durch Blockierungen oder einen Mangel an Qi. Im Vergleich zur konventionellen Medizin lassen sich mit der chinesischen Medizin hier oft erstaunliche Erfolge verzeichnen. In einer Studie mit Polyneuropathie-Patienten die Dr. med. Sven Schröder in Zusammenarbeit mit der Neurologischen Klinik des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf durchführte, profitierten 76% der mit Akupunktur behandelten Patienten von der Therapie mit deutlicher Reduktion der Beschwerden. Auch der Nachweis einer objektiv messbaren Verbesserung der Nervenleitgeschwindigkeit konnte nach etwa 10 Behandlungen erbracht werden. Aktuell untersucht das HanseMerkur Zentrum für Traditionelle Chinesische Medizin am UKE  in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Charité Berlin in einer weiteren Studie die Wirkung der   Akupunktur bei diabetischer Polyneuropathie, für die auch weiterhin Probanden gesucht werden.

    Weitere neurologische Erkrankungen die sich sehr häufig günstig mit chinesischer Medizin beeinflussen lassen und sich als sinnvolle Begleittherapie zur schulmedizinischen Behandlung eignet sind Lähmungen, das Karpaltunnelsyndrom, Multiple Sklerose, Schwindel, Fascialisparesen, Trigeminusneuralgien, Kopfschmerzen, Migräne, Unruhige Beine (Restless Legs Syndrom), Parkinson und Phantomschmerzen. Auch Folgen des Schlaganfalls werden in China routinemäßig mit Akupunktur und chinesischer Kräutertherapie behandelt. Einen großen Vorteil unseres Zentrums für neurologische Patienten ist, dass unser ärztlicher Leiter, Dr. med. Sven Schröder sowohl TCM Arzt als auch Facharzt für Neurologie ist.

    Therapie

    Aufgrund der großen Zahl neurologischer Erkrankungen erfordert die TCM Diagnose ein ausführliches Anamnese Gespräch und eine gründliche Puls- und Zungendiagnostik. Im Rahmen der Polyneuropathie-Behandlung führen wir auch Messungen der Nervenleitgeschwindigkeit durch. In der Behandlung von neurologischen Erkrankungen spielt die Akupunktur eine große Rolle. Eine häufig eingesetzte Modifikation bildet die Elektroakupunktur, bei der die Wirkung der Akupunktur durch leichte elektrische Ströme verstärkt wird. Diese Behandlung hat sich beispielsweise in der Behandlung der Fußhebeschwäche (Peroneusparese) sehr bewährt.

    Auch die Arzneitherapie mit chinesischen Heilpflanzen spielt in der Behandlung neurologischer Erkrankungen eine große Rolle. Unterstützend kommt die Tuina Behandlung (chinesische Massage und manuelle Therapie) zur Anwendung. Außerdem haben sich regelmäßig ausgefühlte Qi Gong und Tai Chi Übungen als sehr heilungsfördernd erwiesen.

  • Erkrankungen des Bewegungsapparates (u.a. Arthrosen, rheumatische Erkrankungen)

    Entzündliche, schmerzhafte Gelenk-, Muskel- und Sehnenerkrankungen, die in der westlichen Medizin als Arthrosen,  Arthritiden, Weichteilrheumatismus, Fibromyalgie bekannt sind, wurden  in der chinesischen Medizin schon vor über 2000 Jahren beschrieben und werden häufig als „Bi-Syndrom“ bezeichnet. Hierunter versteht man eine Blockade oder Obstruktion von Blut- und Qi-Fluss innerhalb der sogenannten „Leitbahnen“. Dies kann durch äußeres Eindringen von Kälte und Feuchtigkeit. Dies wir oft daran deutlich, dass viele Patienten eine Zunahme der Beschwerden bei feucht-kaltem Wetter beklagen. Chinesische geht man da davon aus, das ein Abwehrmechanismus (das Abwehr-Qi) zu schwach ist, sodass eine erhöhte Sensibilität gegenüber derartigen pathogenen Faktoren besteht. Folge davon sind Schmerzen in Muskeln, Sehnen und Gelenken, Bewegungseinschränkungen, Schwellungen, Taubheits- und Schweregefühle und letztlich Degeneration von Körpergeweben.

    Therapie

    Bei der Behandlung rheumatischer Beschwerden steht die chinesische Arzneimitteltherapie im Vordergrund. Während Arthrosen sehr gut auf alleinige Akupunktur und Moxibustionsbehandlung (Erwärmung von Akupunkturpunkten und Hautregionen durch angezündete Beifuß-Rollen) ansprechen müssen bei den rheumatischen Erkrankungen über längere Zeit chinesische Arzneipflanzen eingenommen werden. Diese wirken dann aber oft ebenso gut wie westliche Medikamente bei deutlich weniger Nebenwirkungen. Ergänzend spielt auch hier die Akupunktur eine wichtig Rolle, da sie die Wirkung der Kräuter verstärkt. Daneben kann auch die Tuina-Therapie sein. Bei der manuellen Chinesischen Medizin Tuina kommen u.a. Massagetechniken,  Schröpfen und Schaben mit Hornkämmen (Gua Sha) zum Einsatz.

  • Gynäkologische Erkrankungen

    Die Frauenheilkunde hat in der chinesischen Medizin einen hohen Stellenwert. Das Behandlungsspektrum reicht vom prämenstruellen Syndrom über Regelschmerzen, zu starken oder zu geringen Menstruationsblutungen, Wechseljahresbeschwerden und Hitzewallungen bis zu Zysten von Brust und Eierstock. Unerfüllter Kinderwunsch stellt eine weitere wichtige Indikation dar, auch lässt sich die TCM gut mit einer Behandlung in Kinderwunschzentren kombinieren. In vielen Fällen von unerfülltem Kinderwunsch ist die Behandlung beider Partner durchaus sinnvoll.

    Seit vielen Jahren sind wir Kooperationspartner der Station für Geburtshilfe und Pränatalmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf und bieten wöchentlich geburtsvorbereitende Akupunktur an. So zeigte sich in der Mannheimer Studie eine hochsignifikante Verkürzung des Geburtsverlaufs bei Frauen die ab der 36. Schwangerschaftswoche akupunktiert wurden.

    Therapie

    Während schmerzhafte Störungen, Beschwerden der Brust und Menstruationsbeschwerden sich gut mit Akupunktur behandeln lassen, sind Zyklusunregelmäßigkeiten, Kinderwunschbehandlungen, Wechseljahrbeschwerden und Endometriose eher die Domäne der chinesischen Kräutermedizin, die sich gut durch Akupunktur ergänzen lässt. Viele Frauen leben in der Annahme das Regelbeschwerden normal sind. Unsere langjährige Erfahrung zeigt aber immer wieder, dass Unterleibsschmerzen und Beschwerden im Zusammenhang mit der Menstruation sich durch erfolgreiche TCM Behandlungen bessern oder beseitigen lassen. Bei Regelschmerzen lässt sich somit in vielen Fällen eine zugrunde liegende Ursache finden die sich erfolgreich mit TCM behandeln lässt. Eine weitere mit TCM gut zu behandelnde Indikation in der TCM sind wiederkehrende Blasenentzündungen. Auch hier bietet die Kombination von Akupunktur, Wärmebehandlung mit Moxibustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten und Hautregionen durch angezündete Beifuß-Rollen) und chinesische Kräutermedizin die sinnvollste Strategie.

  • Hauterkrankungen (u.a. Neurodermitis, Psoriasis, Akne, Juckreiz, chronische Ulcera, Urtikaria, Vitiligo, Ekzeme)

    Hauterkrankungen sind weit verbreitet und können mit der westlichen Medizin häufig nur symptomatisch behandelt werden. Betroffene leiden an starkem Juckreiz und Schmerzen, Hautrötungen und Vernarbungen. Hauterkrankungen werden in der chinesischen Medizin schon seit 2000 Jahren beschrieben und erfolgreich behandelt. So sieht man in der TCM die Ursache von Hauterkrankungen als einen Ausdruck der Schwächung des Abwehrmechanismus (das Abwehr-Qi) oder innerer Disharmonien. Starke Emotionen, zu wenig Ruhe und Schlaf und Ernährungsfehler können die Symptomatik negativ beeinflussen. Eine Therapie zielt immer auf die Wurzel des Problems ab und erfolgt vor allem von innen.

    Therapie

    Die Behandlung von Hautkrankheiten ist vorrangig eine Domäne der chinesischen Arzneipflanzentherapie. Die Rezepturen hierfür werden individuell nach dem Hautbild zusammengestellt und in Form von Abkochungen als Dekokt eingenommen. Weiterhin besteht heute die Möglichkeit des Einsatzes von Kompaktaten, die direkt mit heißem Wasser aufgegossen werden können. Die Kombination mit Akupunktur ist sehr sinnvoll, gerade bei akuten Beschwerdebildern. So zeigte sich in einigen Studien die effektive Reduktion von Juckreiz durch Akupunkturbehandlung. Zusätzlich können Cremes mit Arzneipflanzen zum Einsatz kommen. Auch die Ernährungsratschläge auf Basis der Grundlagen der chinesischen Medizin sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie. So bringen gerade Süßigkeiten und ein Übermaß an Milchprodukten viel krankheitsverschlimmernde Faktoren mit sich, die das Krankheitsbild verschlimmern können.

  • Hals-Nasen-Ohren-Erkrankungen (u.a. chronische Sinusitis, Hörsturz, Tinnitus, Zungenbrennen)

    In der bildhaften Sprache der chinesischen Medizin entspricht die Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung) der Beschreibung von „tiefer Teich in der Nase“. Die Symptome reichen von eitrigem Nasensekret, verstopfter Nase hin zu Kopf- und Gesichtsschmerzen und häufigem Niesen. Chinesisch betrachtet liegt hier eine Einstauung von Flüssigkeiten in den Nasennebenhöhlen zugrunde, die zur Schleimbildung führt. Weitere Indikationen von Erkrankungen aus dem Bereich der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, die auf eine Behandlung mit TCM gut ansprechen sind Entzündungen im Rachenbereich (Laryngitis, Pharyngitis), Heiserkeit und Zungenbrennen. Auch Tinnitus, Hörsturz, Schwerhörigkeit, Hörempfindlichkeit, Druck auf den Ohren oder Ohrenschmerzen lassen sich mit einer TCM-Therapie positiv beeinflussen. Die Ursachen für diese Erkrankungen sind häufig vielschichtig mit Disharmonie-Mustern komplexer Genese. In einem ausführlichen Anamnesegespräch mit Puls- und Zungendiagnostik lassen sich diese herausfinden für einen optimalen Behandlungserfolg.

    Therapie: Für die Behandlung von HNO-Erkrankungen benötigt es das gesamte Spektrum der chinesischen Medizin von Akupunktur, Tuina (chinesische manuelle Therapie), Schröpfen (hier wird mit Schröpfgläsern ein Unterdruck auf ausgewählten Hautarealen erzeugt), Moxibustion (Erwärmung von Akupunkturpunkten und Hautregionen durch angezündete Beifuß-Rollen) und chinesischer Arzneimitteltherapie. Akute Beschwerden des HNO-Bereiches können oft mit wenigen Behandlungen behandelt werden. Je länger die Beschwerden bestehen, desto länger dauert die Behandlung. Die erfolgreiche Behandlung der chronischen Sinusitis beispielsweise erfordert oft etwas Geduld und Zeit, kann aber nachhaltig wirken.