Retrospektive Real-World-Analyse aus vier Hamburger Praxen zeigt eine signifikant verkürzte Symptomdauer unter der chinesischen Arzneirezeptur Shufeng Jiedu. Die Ergebnisse wurden im internationalen Fachjournal Chinese Herbal Medicine
(Elsevier, Impact Factor 8.9, https://doi.org/10.1016/j.chmed.2026.02.002) veröffentlicht.
Real-World-Daten aus vier Hamburger Praxen
Während der COVID-19-Pandemie wurde am HanseMerkur Zentrum für TCM gemeinsam mit kooperierenden Praxen versucht, in Deutschland eine klinische Studie mit der chinesischen Arzneirezeptur Shufeng Jiedu (SFJD) zu initiieren. Trotz Gesprächen mit politischen Akteuren sowie Anfragen an andere Universitäten und Institutionen kam damals keine Kooperation für ein Studienprojekt zustande.
Stattdessen wurde ein pragmatischer Versorgungsansatz gewählt: Die Rezeptur wurde über Apotheken als Rezepturarzneimittel aus qualitätsgesicherten Arzneipflanzen-Kompaktaten hergestellt. Parallel wurde in den beteiligten Praxen der Corona-MFA-Fragebogen systematisch eingesetzt, wodurch Krankheitsverläufe standardisiert dokumentiert werden konnten.
Diese strukturierte Dokumentation ermöglichte später eine retrospektive wissenschaftliche Auswertung der klinischen Versorgungspraxis.
Vielversprechende Ergebnisse der retrospektiven Analyse
Dr. Thomas Friedemann beleuchtete die Rolle der TCM in der onkologischen Nachsorge. Er stellte Ergebnisse aus Studien und klinischen Beobachtungen vor, die den Einsatz chinesischer Rezepturen bei Fatigue, reduzierter Erholungsfähigkeit und chemotherapieinduzierter Polyneuropathie unterstützen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der sicheren Integration pflanzlicher Rezepturen in bestehende Therapiepläne sowie der Bedeutung enger interdisziplinärer Abstimmung.
Insgesamt wurden 81 Patientinnen und Patienten mit milder SARS-CoV-2-Infektion in die retrospektive Kohortenanalyse eingeschlossen. Im Vergleich zur Standardtherapie zeigte sich unter Behandlung mit Shufeng Jiedu eine signifikant verkürzte Zeit bis zur vollständigen Symptomlinderung (Time to Total Symptom Alleviation, TTSA).
Die TTSA betrug in der SFJD-Gruppe 5,76 Tage, gegenüber 11,50 Tagen in der Kontrollgruppe (Δ 5,74 Tage; P < 0,001). Besonders ausgeprägt waren Verbesserungen bei
- Schnupfen
- Fatigue
- Fieber
- Atemnot
Zudem waren die Symptomintensitäten insgesamt geringer, während keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet wurden.
Bedeutung für die weitere Forschung
Die Studie gehört zu den ersten systematischen Untersuchungen zur Anwendung chinesischer Arzneirezepturen in Europa. Als retrospektive Real-World-Analyse kann sie zwar keine endgültigen Wirksamkeitsaussagen ersetzen, liefert jedoch vielversprechende Hinweise, dass sich klinische Effekte auch unter europäischen Versorgungsbedingungen beobachten lassen. Während in China bereits Phase-II-Studien abgeschlossen sind und Phase-III-Daten derzeit ausgewertet werden, unterstreichen die Hamburger Daten die Perspektive weiterer Forschung. Ein nächster wichtiger Schritt wäre eine prospektive randomisierte Studie in Europa, um die beobachteten Effekte unter kontrollierten Bedingungen zu überprüfen.
Publikation: Chinese Herbal Medicine DOI: https://doi.org/10.1016/j.chmed.2026.02.002
