Forschung - Lehre - Therapie

Fachimpulse des HanseMerkur Zentrums für TCM auf dem Kongress der Bahnhof-Apotheke Kempten

Vom 7. bis 8. November 2025 fand im Kornhaus Kempten der diesjährige Kongress der Bahnhof-Apotheke statt. Die Veranstaltung brachte Fachpersonen aus Apotheke, Geburtshilfe, Medizin und komplementären Therapieverfahren zusammen und bot einen Rahmen für den Austausch zu evidenzbasierten Ansätzen in der integrativen Versorgung. Das HanseMerkur Zentrum für TCM am UKE war in diesem Jahr mit zwei Vorträgen vertreten.

TCM in der Hebammenarbeit: Beitrag von PD Dr. Sven Schröder

PD Dr. Sven Schröder stellte in seinem Vortrag dar, welche Möglichkeiten chinesische Arzneitherapie und Akupunktur in der klinischen Hebammenarbeit bieten können. Im Mittelpunkt standen praxisnahe Anwendungen in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett sowie die Frage, wie traditionelle Verfahren sicher, verantwortungsvoll und frei von esoterischen Interpretationen eingesetzt werden können. Der Beitrag knüpfte an laufende Ausbildungsaktivitäten des Zentrums an: In Hamburg ist im Oktober die Weiterbildung „Akupunktur und Chinesische Medizin für Hebammen“ gestartet, die Hebammen ein strukturiertes, qualitätsgesichertes Curriculum bietet und gezielt auf die Bedürfnisse der geburtshilflichen Praxis ausgerichtet ist.

Evidenzbasierte TCM in der Onkologie: Vortrag von Dr. Thomas Friedemann

Dr. Thomas Friedemann beleuchtete die Rolle der TCM in der onkologischen Nachsorge. Er stellte Ergebnisse aus Studien und klinischen Beobachtungen vor, die den Einsatz chinesischer Rezepturen bei Fatigue, reduzierter Erholungsfähigkeit und chemotherapieinduzierter Polyneuropathie unterstützen. Ein besonderer Schwerpunkt lag auf der sicheren Integration pflanzlicher Rezepturen in bestehende Therapiepläne sowie der Bedeutung enger interdisziplinärer Abstimmung.

Dr. Thomas Friedemann

Fachlicher Austausch und Perspektiven

Der Kongress zeigte eine hohe fachliche Nachfrage nach gut eingebetteten integrativen Konzepten in Geburtshilfe und Onkologie. Viele Teilnehmende nutzten die Gelegenheit zum Austausch über Chancen und Grenzen traditioneller Verfahren in modernen medizinischen Kontexten. Der Dialog bestätigte erneut die Relevanz qualitätsgesicherter Angebote, die sich klar an klinischer Praxis und wissenschaftlicher Evidenz orientieren. Im Anschluss an den Kongress reisen PD Dr. Schröder und Dr. Friedemann nach China, um gemeinsam mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften an einem Projekt zur integrativen Onkologie weiterzuarbeiten. Ziel der Kooperation ist es, Erfahrungen aus beiden Gesundheitssystemen zusammenzuführen und translational-medizinische Konzepte weiterzuentwickeln. Der Kongress in Kempten verdeutlichte einmal mehr, dass Integrative Medizin dort besonders wirksam wird, wo Tradition und Moderne in einem klaren fachlichen Rahmen zusammengeführt werden. Das HanseMerkur Zentrum für TCM am UKE wird diesen Weg auch weiterhin wissenschaftlich und klinisch begleiten.